Am Ende des Jahres 2011, das in Polen aus Anlass seines 100. Geburtstag das Czesław Miłosz Jahr genannt wurde, hat am 15. Dezember in unserer Schule das Treffen mit dem polnischen Schriftsteller und Dichter Romuald Mieczkowski aus Vilnius stattgefunden, das von der Journalistin Agata Lewandowski moderiert wurde.
Da Romuald Mieczkowski und Czesław Miłosz sich persönlich kannten und Czesław Miłosz seinen Kollegen Mieczkowski unterstützte in der polnischen Zeitschrift „Kultur“ in Paris veröffentlicht zu werden, war von der Situation der polnischen Migranten in Litauen, der polnischen Tradition und Kultur, sowie den Erfahrungen des Künstlers, besonders mit Czesław Miłosz, die Rede. Sie begegneten sich auch in Vilnius, als Czesław Miłosz, schon als Literaturnobelpreisträger, seine alte „kleine Heimat“ besichtigte. Nach der Wende begrüßte Mieczkowski in Vilnius Miłosz in Gesellschaft von zwei weiteren Nobelpreisträgern für Literatur, der polnischen Dichterin Wisława Szymborska und dem deutschen Schriftsteller Günter Grass. Mieczkowski hatte die Führung durch die Stadt Vilnius übernommen und seine „neuen“ Eindrücke mischten sich mit Miłoszs Suche nach seinen Erinnerungen.
Mieczkowski sagt, er selbst sei ein Ausländer in Litauen, und unterscheide sich von den anderen Ausländern, die aus ihrer Heimat bewusst ausgewandert seien, weil seine Heimat „Polen von dort weggefahren ist“, nachdem
die Grenzen 1945 verschoben worden waren. Er kommt aus der „kleinen Heimat“ von Adam Mickiewicz und charakterisiert seine Stadt Vilnius als eine interkulturelle Stadt, in der für das alltägliche Leben Kenntnisse von ungefähr drei oder vier Fremdsprachen benötigt würden. Diese Multikulturalität, die auch in Berlin ähnlich ist, spiegelt sich in der Küche und den Sitten wieder, die noch polnische, jüdische, tatarische und litauische Wurzeln haben. Mieczkowski respektiert diese Kulturen und er gewichtet sie nicht. Er ist ein Humanist und glaubt an die große Bedeutung des Lernens und des Wissens, der Kultur, und der Kunst, die über die Grenze hinaus eine Verständigung der Nationen mit sich bringen. Deswegen engagiert er sich in Projekte, die diese Verständigung zwischen Polen, Litauen und Deutschland verstärken. Der Respekt für die anderen Kulturen soll auch den Respekt für seine eigene Kultur wecken.
ROMUALD MIECZKOWSKI wurde 1950 in Fabianiszki, einem Ortsteil von Vilnius,
geboren. Er studierte polnische Philologie, Geografie und Kunstgeschichte. Er ist Dichter, Publizist in Presse, Radio und Fernsehen, sowie Animator der Kultur. Seit 1989 ist er Redakteur der Zeitschrift "Znad Wilii" (Vom Fluss Willia), der ersten unabhängigen polnischen Zeitschrift in Litauen. Er schreibt unter dem Pseudonym Tomasz Bończa. Er beteiligte sich an der Organisation der ersten ostpolnischen Galerie ("Znad Wilii") in Vilnius, die am 3. Mai 1995 eröffnet wurde und gründete die Vilnius Galerie ("Znad Wilii") in Warschau (Okrzejastr. 32). Seit 2004 arbeitet er in Warschau, unter anderem ist er Direktor der Galerie im Kunst- und Kulturcentrum von Mazowia. Seit 1994 organisiert er die internationalen poetischen Treffen ("Maj nad Wisłą" - Mai über der Weichsel). Er ist Mitglied der Gesellschaft für die Schriftsteller von Litauen und der internationalen Dichter Gruppe "Magnus Ducatus Poesia". Seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, er selbst übersetzt aus dem Litauischen und anderen slawischen Sprachen. Er ist Autor der Lyrik: "W Ostrej Bramie" (In Ostra Brama), "Co bym stracił" (Was hätte ich verloren), "Wirtuozeria grubo po północy" (Virtuosität lange nach Mitternacht), "Powrócę" (Ich werde zurückkehren), "Podłoga w Celi Konrada" (Fußboden in der Zelle von Konrad) , „Zbudować łódź" (Ein Boot bauen), und des Buches "Objazdowe kino i inne opowiadania wileńskie"(Wanderkino und andere Erzählungen aus Vilnius) und „Nikt nie woła“ (Keiner ruft).
1998 bekam er als Auszeichnungen das Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 1997 Verdienstorden für polnische Kultur und 2008 für die Arbeit für den Kontakt der Polonia mit der Heimat den Preis Fidelis Poloniae.
Das Treffen fand am 15.12.2011 in der Robert-Jungk-Oberschule für die Schüler der 12. und 13
. Jahrgänge der Leistungskurse für Polnisch statt.
Text und Bilder: Agnieszka Bernegg











