Das ist das Motto, nach dem Ali Can lebt.
Als er 2015 im TV mit ansehen musste, wie ein Bus mit Geflüchteten, die ihre Unterkunft betreten wollten, von Nazis und Rechtspopulist*innen angegriffen wurden, war dies für ihn nur schwer zu ertragen und er fühlte sich in der Verantwortung, sich aktiv für ein friedliches Miteinander einzusetzen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wollte er verstehen, welche Motivation hinter solchen Angriffen steckte, wofür er mit den hasserfüllten Menschen in den Dialog treten wollte. Die beste Möglichkeit dafür bot sich jeden Montag in Dresden auf den PEGIDA – Demonstrationen.
Schnell lernte er, dass es wenig bringt, den Menschen mit wüsten Beschimpfungen entgegenzutreten. Was hingegen wunderbar funktionierte, war das „Anlocken“ mit Schokolade. Nachdem sie sich einen kostenlosen Schoko-Nikolaus nahmen, blieben sie bei ihm stehen und die ersten Gespräche entstanden. Alis Strategie in dem Moment: erst mal zuhören.
Als die PEGIDA – Anhänger*innen fertig waren, ihm zu erklären, warum sie denken, dass die vielen Geflüchteten für den „Untergang des Abendlandes“, also Deutschlands, verantwortlich sein, stellte Ali Can Nachfragen. Nicht solche, durch die sie sich angegriffen fühlten, sondern solche, die ihnen subtil aufzeigten, dass es eigentlich viele Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und ihrem konstruierten Feindbild gab.
Es war dieser „kleinste gemeinsame Nenner“, wie Ali Can ihn nennt, der es ihm ermöglichte, mit den Menschen in den Dialog zu treten, die ihm selbst aufgrund seines Aussehens gegenüber nicht wohlgesonnen waren. Es entstand eine Situation, in der miteinander geredet wurde, anstatt sich hasserfüllt und körperlich anzugreifen.
Nach diesen Erfahrungen entstand Ali Cans Idee zur „Hotline für besorgte Bürger*innen“, auf der diese Art des Dialogs kontinuierlich weitergeführt wird.

Als Ali Can all dies am 15.03.2019 in der Mensa der Robert-Jungk-Oberschule erzählte, waren der gesamte 9. und 10. Jahrgang mucksmäuschenstill. Der Gast, der im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus eingeladen war, schaffte es, seinen Appell für den Dialog zu vermitteln, wobei er zum Schluss eingestehen musste, dass auch er seine Grenzen kennt. So würde er nicht mit Menschen reden, deren menschenverachtende Einstellung so weit geht, dass es bedrohlich und menschenunwürdig wird.

Sifah Tiengwan und Natasja Sibila